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Day 1 — Your Best Friend

Liebe L.,

wir kennen uns schon so lang, wissen über einander so viel, vertrauen uns blind. Aber unsere Freundschaft ist nicht allein das, was wir schon wissen, sondern das, was wir immer wieder dazu lernen. Wenn wir im Café nebeneinander sitzen, ganz stumm, andere Menschen beobachten, etwas witziges sehen und uns dann lächelnd zunicken, sind wir uns näher und verbundener als in all den lauten Momenten. Wenn ich neben dir auf dem Sofa sitze, komme ich zur Ruhe, kann tief einatmen, los lassen und sagen "So. Und nicht anders." Leider dauern diese Momente viel zu kurz und die Entfernung, die uns trennt, bricht mir oft das Herz.
Weißt du noch, als wir auf dem Rummel waren und Achterbahn gefahren sind. Oder diese andere Höllenmaschine. Du saßt neben mir, hast meine Hand fest gedrückt und geschrien "Wenn wir jetzt sterben.. Ich hab dich lieb." Und ich hab deine Hand festgehalten, bis zum Schluss.
Weißt du noch, als wir mit deiner Mama gefrühstückt haben. Es war so schön, so familiär, ich kannte das so nicht. Ich wollte ewig bleiben.
Weißt du noch, als wir mit V. Singstarabend gemacht haben. Nebenbei hast du mit M. geskypet und ihm unsere grauenvoll schiefen Einlagen präsentiert. Ich wusste schon damals, dass aus euch ein Traumpaar wird.
Weißt du noch, als wir im Kino waren. Wie wir nebeneinander saßen, geschockt, Tränen liefen stumm über unsere Wangen. Abends lagen wir dann im Bett, waren immer noch fertig von dem Film und haben den Menschen, die wir lieben, Nachrichten hinterlassen.
Das war das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben. Das war vor einem Jahr.
Du bist mein Mädchen und das wusste ich schon, als ich dich das erste Mal im Arm hielt. Als wir zwischen den Schneeflocken standen, dick eingemummelt. Du hast geweint vor Freude. Ich vermisse dich jeden Tag. Jeden verdammten Tag.

In Liebe, N.

5.11.12 14:45


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