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Day 3 — Your parents

Liebe J.,

ich kann nicht schreiben "Liebe Mama", denn es fühlt sich falsch an. Wir sind uns fremd geworden. Manchmal frag ich mich, ob Eltern das überhaupt dürfen. Ihren Kindern fremd werden. Und dann fällst Du mir ein, und alles ist klar. In den vergangenen Jahren ist zuviel passiert, als dass man von einer harmonischen Beziehung sprechen könnte. Worte wurden gesagt, die genau so gemeint waren, es gab Handlungen, die unverzeihlich sind und am schlimmsten war immer, das alle Schuld auf meine Schultern gelegt wurde. Es geht nicht weiter, wir gehen nicht weiter. Das Vernünftigste ist, alles so zu belassen, wie es ist. Fremd und distanziert.

In Liebe.

 

 Lieber Papa,

Du bist mein Held und daraus habe ich noch nie ein Geheimnis gemacht. Ich erinnere mich so gern an meine Kindheit zurück. Als wir zusammen zu AC/DC auf dem Sofa herumgesprungen sind. Als wir auf ebenjenen Sofa saßen und Rotz und Wasser heulten, weil Falco gestorben war. Wenn M. zu Besuch war, lagen wir stundenlang in eurem großen Ehebett und haben uns geprügelt. Und immer hast Du aufgepasst, dass es nicht zu bunt wurde. Auf Familienfeiern waren wir immer auf der Tanzfläche, ich stand auf deinen Füßen und du hast uns mal langsamer, mal wilder im Kreis gedreht.
Wenn ich zu Dir und Deiner neuen Familie fahre ist es immer wieder schön, das Strahlen in Deinen Augen zu sehen. Wenn wir uns anbrüllen und schimpfen, nur um die Kleinen zu ärgern. Wenn wir die AC/DC-Schlagzeug- und -Gitarrensolos mitspielen, nur das wir inzwischen dazu auf dem Sofa sitzen.
Du bist mein Held, schon immer, für immer. Ohne dich, wäre ich nichts.
Ich liebe dich.

17.11.12 18:39
 
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